Stefan RiemeyerGoogle Ads Freelancer

Was Google-Ads-Betreuung kostet und wofür man bezahlt

Preismodelle, Marktsätze mit Quelle und eine Formel, ab welchem Werbebudget sich Betreuung aus dem Deckungsbeitrag deines Shops tragen kann.

Stefan Riemeyer/Stand 3.11.2026/5 Min. Lesezeit

ROAS Mindestbudget pro Monat 5,0 2.000 € 4,0 5.000 € 3,5 20.000 € ≤ 3,33 Kein Budget reicht Rechenbeispiel: 1.000 € Honorar, 30 % Deckungsbeitragsquote

Der Preis allein sagt fast nichts

Die Frage nach dem Preis führt in die falsche Richtung, solange du nicht weißt, was das Honorar im Shop tragen muss. Eine Google-Ads-Betreuung ist für einen Händler Fixkosten. Sie wird aus dem Deckungsbeitrag bezahlt, den die Kampagnen nach Werbekosten übrig lassen, und sie lohnt sich nur, wenn sie diesen Deckungsbeitrag um mehr als ihr eigenes Honorar erhöht. Ein günstiges Angebot, das daran scheitert, ist teurer als ein teures, das es schafft.

Vorweg zur Einordnung: Ich verkaufe selbst Freelance-Betreuung für Google Ads. Was hier als Einschätzung markiert ist, ist meine Sicht, und du solltest sie entsprechend prüfen.

Welche Preismodelle gibt es?

Am Markt begegnen dir vier Modelle, oft kombiniert: einmaliges Setup oder Audit, feste Monatspauschale, Abrechnung nach Stunden und ein Prozentsatz vom Werbebudget. Anbieter nennen für das Prozentmodell Werte von 10 bis 20 Prozent. Dazu kommen Kosten, die nicht in der Betreuung stecken, etwa für Tools, Landingpages, Creatives oder ein Tracking-Setup, das vor allem serverseitig Aufwand macht.

Modell Wofür du zahlst Wo es hakt
Monatspauschale Verfügbarkeit und laufende Arbeit am Konto Unklar, wie viel Zeit drinsteckt
Stundensatz Tatsächliche Arbeitszeit Planbarkeit, Anreiz zu Mehraufwand
Prozent vom Budget Mitwachsender Aufwand bei größerem Konto Honorar steigt mit den Ausgaben, nicht mit dem Ertrag
Setup oder Audit Bestandsaufnahme und Plan Ohne Umsetzung bleibt es Papier

Beim Prozentmodell liegt der Zielkonflikt offen, und auch Anbieter benennen ihn so: Der Dienstleister verdient mehr, wenn du mehr ausgibst. Rechnerisch wirkt eine Gebühr von 15 Prozent wie 15 Prozent höhere Werbekosten je Euro Umsatz. Bei einer Deckungsbeitragsquote von 30 Prozent vor Werbung liegt der Break-even-ROAS bei 3,33, mit der Gebühr bei 3,83 (1,15 ÷ 0,30). Das ist kein Argument gegen das Modell, aber du musst es in deine Zielwerte einrechnen.

Was kostet eine Stunde Arbeit am Konto?

Die belastbarste öffentliche Zahl liefert der Freelancer-Kompass von freelancermap. Im Fachbereich Online Marketing und Kommunikation lag der Durchschnitt in der Ausgabe 2025 bei 92,11 Euro pro Stunde, über alle Fachbereiche bei 104 Euro. In der Ausgabe 2026 mit 5.412 Befragten liegt der Gesamtschnitt bei 103 Euro, 62 Prozent der Befragten planen keine Erhöhung. Agenturen kalkulieren zusätzlich Overhead und Vertrieb ein.

Damit kannst du jede Pauschale übersetzen: Pauschale ÷ Stundensatz = gekaufte Arbeitszeit. Ein Anbieter nennt als Beispiel einen Retainer von 500 Euro für 10 Betreuungsstunden, also 50 Euro pro Stunde. Zum Durchschnittssatz im Online-Marketing kaufst du mit 500 Euro rund fünf Stunden im Monat, mit 1.000 Euro knapp elf. Frag jeden Anbieter, wie viele Stunden seine Pauschale enthält und wer diese Stunden leistet.

Ab welchem Budget trägt sich Betreuung?

Hier liegt die eigentliche Antwort auf die Preisfrage. Was die Kampagnen nach Werbekosten an Deckungsbeitrag übrig lassen, ist Budget × (ROAS × DB-Quote − 1). Die DB-Quote ist der Deckungsbeitrag vor Werbekosten geteilt durch den Umsatz. Soll dieser Rest das Honorar mindestens decken, gilt:

Mindestbudget = Honorar ÷ (ROAS × DB-Quote − 1)

Rechenbeispiel mit erfundenen, runden Zahlen: Ein Shop zahlt 1.000 Euro Honorar im Monat und hat eine DB-Quote von 30 Prozent.

ROAS ROAS × DB-Quote − 1 Mindestbudget pro Monat
5,0 0,50 2.000 €
4,0 0,20 5.000 €
3,5 0,05 20.000 €
3,33 oder weniger 0 oder negativ Kein Budget reicht

Die Tabelle zeigt, warum Preislisten mit Mindestbudgets wenig taugen. Derselbe Betrag ist bei einem Shop mit hoher Marge und gutem ROAS ab 2.000 Euro Werbebudget tragbar und bei einem margenschwachen Sortiment überhaupt nicht. Marge und Warenkorb bestimmen die Schwelle, nicht die Kontogröße allein. Wie du das Budget selbst ansetzt, steht unter wie viel Budget ein Shop für Google Ads braucht.

Wann diese Rechnung nicht reicht

Die Formel ist eine Untergrenze und setzt voraus, dass der gesamte Umsatz aus den Kampagnen zusätzlich ist. Das stimmt selten vollständig, ein Teil der Käufer wäre auch ohne Anzeige gekommen. Strenger ist die Frage nach der Veränderung: Bei festem Budget muss die Betreuung den Deckungsbeitrag um mindestens ihr Honorar heben. Die Bedingung lautet dann Honorar ≤ Budget × ROAS-Verbesserung × DB-Quote. Im Rechenbeispiel mit 10.000 Euro Budget, 30 Prozent DB-Quote und einem ROAS, der von 4,0 auf 4,5 steigt, sind das 1.500 Euro zusätzlicher Deckungsbeitrag im Monat.

Umgekehrt unterschätzt die Rechnung den Wert, wenn Neukunden später wieder kaufen oder wenn die Betreuung Fehler verhindert, etwa defektes Conversion-Tracking, das Smart Bidding in die falsche Richtung lenkt. Beides taucht in einem Monatsvergleich nicht auf.

Warum billige Angebote teuer werden

Meine Einschätzung: Teuer wird eine Betreuung nicht durch den Stundensatz, sondern durch Zeit, die fehlt. Bei fünf Stunden im Monat bleibt für Suchbegriffe, Feed, Tracking, Gebotsziele und Abstimmung mit dir wenig übrig. Dann wird verwaltet statt verbessert. Im Rechenbeispiel oben bringt ein halber ROAS-Punkt 1.500 Euro Deckungsbeitrag. Holt ein 500 Euro günstigeres Angebot diesen halben Punkt nicht, kostet es dich unterm Strich 1.000 Euro im Monat.

Das gilt nicht, wenn dein Konto klein und stabil ist. Ein Shop mit wenigen Produkten, sauberem Feed und funktionierendem Tracking braucht nicht viele Stunden. Dort ist eine schlanke Pauschale oder ein Abruf nach Bedarf vernünftig.

Was in den Preis gehört

Unabhängig vom Modell sollten im Angebot stehen: wer am Konto arbeitet, wie viel Zeit enthalten ist, welche Leistungen extra kosten und wie berichtet wird. Für Verwaltungsgebühren gibt Google Drittanbietern Pflichten vor, die du als Prüfliste nutzen kannst. Laut Google müssen sie Neukunden vor dem ersten Umsatz schriftlich über eine Verwaltungsgebühr informieren und sie auf Rechnungen ausweisen. Nennen sie dir Werbekosten, dann genau so, wie Google sie berechnet, ohne eigene Gebühren. Auf Anfrage müssen sie dir die Kundennummer des Kontos nennen. Wer Mediakosten und Honorar in einer Summe abrechnet, sollte dir das erklären können. Wem das Konto am Ende gehört, klärst du am besten vor Vertragsbeginn, siehe Kontoeigentum und Kündigung.

Wie ich selbst abrechne

Zur Transparenz, weil die Frage naheliegt. Ich beginne mit einem Audit mit Lesezugriff und einer schriftlichen Roadmap. Was ein solches Audit enthalten sollte, steht unter Inhalte eines Google-Ads-Audits. Danach gibt es einen festen Monatsbetrag, der sich nach Konto und Aufwand richtet, keine festen Pakete. Ich arbeite selbst am Konto.

Das ist kein Maßstab für den Markt, sondern ein Modell. Ob Freelancer oder Agentur besser zu deinem Shop passt, ist eine eigene Abwägung. Bevor du Angebote vergleichst, rechne die Formel oben mit deinen eigenen Zahlen. Liegt dein ROAS unter dem Wert, bei dem die Klammer positiv wird, hilft dir kein Preisvergleich, sondern zuerst eine Antwort auf die Frage, ob sich der Kanal überhaupt trägt.

Anschlussfragen

Ist ein Prozentsatz vom Werbebudget unseriös?

Nein, aber er koppelt das Honorar an die Ausgaben statt an den Ertrag und hebt den Break-even-ROAS um den Prozentsatz. Bei 15 Prozent Gebühr und 30 Prozent Deckungsbeitragsquote steigt er von 3,33 auf 3,83. Wer so abrechnet, sollte das offen in der Rechnung zeigen.

Wie viele Stunden sollte eine Monatspauschale enthalten?

Das hängt am Konto. Teile die Pauschale durch einen marktüblichen Stundensatz, dann weißt du, wie viel Arbeitszeit du ungefähr kaufst. Bei 92 Euro pro Stunde sind 1.000 Euro knapp elf Stunden im Monat. Frag den Anbieter, wofür diese Zeit verwendet wird.

Quellen

  1. Pressemitteilung Freelancer-Kompass 2026: Einkommen, freelancermap
  2. Online Marketing Freelancer: Stundensatz vergleichen, freelancermap
  3. Freelancer verdienen besser, doch Zweifel bleiben, Computerwoche
  4. Google-Richtlinie für Drittanbieter, Google Ads-Werberichtlinien-Hilfe
  5. Google Ads Freelancer: Kosten, Vorteile und wann es sich lohnt, Adkontakt
  6. Google Ads Kosten 2026, Stephan Zabel
  7. Google Ads Kosten 2026: Was du wirklich investieren musst, Ostend Digital
Stefan Riemeyer

Stefan RiemeyerSelbstständiger Google Ads Freelancer für E-Commerce im DACH-Raum. Ich arbeite selbst an jedem Konto, das ich betreue. Agentur oder Freelancer: mein Vergleich.

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