Stefan RiemeyerGoogle Ads Freelancer

Produkttitel für Google Shopping: im Shop lösen statt im Feed überschreiben

Wie du Shopping-Titel aufbaust, wie lang sie sein dürfen, wie weit sie vom Shop abweichen dürfen und wie du einen Titeltest sauber misst.

Stefan Riemeyer/Stand 3.11.2026/5 Min. Lesezeit

Erst testen, dann im Shop 1 Testen 2 Messen 3 Übernehmen Feed Sieger Shop Ein Titel, eine Quelle.

Der Titel ist ein Shop-Feld, kein Feed-Feld

Mein Rat: Verbessere Produkttitel dort, wo sie entstehen, im Produktnamen des Shops. Ein Zusatzfeed, der den Titel dauerhaft überschreibt, ist bequem eingerichtet und teuer im Betrieb. Er erzeugt eine zweite Wahrheit, die bei jedem neuen Produkt, jeder Umbenennung und jedem Sortimentswechsel nachgezogen werden muss.

Der Grund liegt in der Datenlogik. Merchant Center ordnet das Attribut title der Schema.org-Property Product.name zu, und genau diese Property ist in den strukturierten Daten für Händlereinträge Pflicht. Ein guter Name im Shop wirkt also dreifach: auf der Produktseite, im Markup für die organischen Einträge und im Feed. Ein Override im Merchant Center verbessert nur den Feed.

Dazu kommt: Laut Google stellt die Suche den angezeigten Titel teils selbst um und nutzt dafür auch Inhalte der Landingpage, Bilder und andere Signale. Steht auf der Seite ein dünner Name, holt sich Google dort wenig, egal wie gut der Feed-Titel ist.

Wie lang darf ein Titel sein?

Erlaubt sind 1 bis 150 Zeichen, längere Titel kürzt Google. Sichtbar ist deutlich weniger: Laut Google sehen Nutzer je nach Bildschirm höchstens 70 Zeichen. Google empfiehlt trotzdem, die 150 Zeichen zu nutzen, weil der Titel mit dem Suchbegriff abgeglichen wird.

Daraus ergibt sich eine einfache Regel für den Aufbau:

Bereich Zeichen Aufgabe
Sichtbarer Teil 1 bis 70 Produkt eindeutig benennen, Klick auslösen
Abgleichsteil 71 bis 150 Weitere Merkmale, nach denen tatsächlich gesucht wird

Meine Einschätzung: Der Abgleichsteil ist kein Platz für Synonymketten. Wiederholungen wie "Sneaker Turnschuh Sportschuh" machen den Produktnamen im Shop unlesbar, und genau dort soll der Titel ja leben. Was dem Kunden auf der Produktseite nicht hilft, gehört eher in product_type oder die Beschreibung.

Nicht in den Titel gehören laut Google Preis, Sonderangebot, Angebotszeitraum, Versand, Liefertermin, der Name des Unternehmens, Werbetext und Großschreibung zur Hervorhebung.

Welche Reihenfolge der Attribute ist sinnvoll?

Google sagt nur: Die wichtigsten Informationen an den Anfang. Feed-Tool-Anbieter wie Lengow empfehlen eine feste Formel aus Marke, Produkttyp, Kerneigenschaft, Modell, Größe und Farbe. Als Startpunkt taugt das. Die bessere Frage ist, welches Merkmal in deiner Kategorie die Kaufentscheidung trägt, denn das muss in die ersten 70 Zeichen.

Ich würde je nach Sortiment so gewichten:

Sortiment Was nach vorn gehört Warum
Starke Marken Marke, Produktart, Modell Gesucht wird nach Marke und Modell
Eigenmarken, No-Name Produktart, Kernmerkmal, Material Die Marke kennt niemand, das Merkmal entscheidet
Technik, Ersatzteile Marke, Modell- oder Teilenummer, Kompatibilität Wer eine Nummer sucht, klickt nur bei exaktem Treffer
Mode Marke, Produktart, Schnitt, Farbe Farbe und Schnitt filtern im Kopf vor

Für Varianten gilt laut Google: Das Unterscheidungsmerkmal gehört in den Titel und zusätzlich in das passende Attribut wie color, size oder age_group. Wie du Variantengruppen sauber aufbaust, steht in Varianten im Feed.

Die Tabelle ist eine Arbeitshypothese, keine Messung. Was in deinem Sortiment besser klickt, zeigt erst ein Test.

Darf der Feed-Titel vom Shop abweichen?

Ja, in Grenzen. Laut Google müssen Feed-Titel und Landingpage nicht identisch sein, aber erkennbar auf dasselbe Produkt verweisen. Wer im Feed "Laufschuh Damen" schreibt und auf der Seite einen Herrenschuh zeigt, riskiert die Ablehnung. Wer im Feed Farbe und Größe ergänzt, die der Shopname weglässt, bleibt im Rahmen.

Anders als beim Preis gibt es für den Titel keine automatische Korrektur aus der Landingpage. Die automatischen Artikelaktualisierungen greifen nur für Preis, Sonderangebotspreis, Verfügbarkeit und Zustand. Eine Abweichung im Titel bleibt also stehen, bis jemand sie im Feed oder im Shop behebt.

Meine Einschätzung: Das eigentliche Risiko ist nicht die Ablehnung, sondern schleichende Drift. Ein statischer Zusatzfeed überschreibt Titel für die Artikelnummern, die bei seiner Erstellung im Sortiment waren. Kommen neue Produkte dazu oder ändert die Redaktion einen Namen im Shop, laufen Feed und Seite auseinander, ohne dass es jemand merkt. Je größer das Sortiment und je häufiger der Wechsel, desto schneller passiert das.

So nutzt du den Zusatzfeed richtig: als Prüfstand

Eine zusätzliche Datenquelle ergänzt oder überschreibt Attribute der primären Quelle, kann aber keine Produkte hinzufügen oder entfernen. Genau das macht sie zum idealen Testwerkzeug: Du kannst einen neuen Titel für einen Teil der Produkte ausspielen, ohne den Shop anzufassen.

Der Ablauf, den ich empfehle:

  1. Testgruppe ziehen. Teile die Produkte per stabilem Hash je Produkt in zwei Hälften, Varianten derselben Gruppe in dieselbe. Eine Hand-Auswahl der "wichtigen" Produkte verzerrt das Ergebnis.
  2. Gruppe markieren. Schreib die Zugehörigkeit in ein Custom Label, damit du beide Hälften im Bericht trennen kannst. Welche Labels sonst sinnvoll sind, steht in Custom Labels.
  3. Neue Titel nur für die Testhälfte über die zusätzliche Datenquelle einspielen.
  4. Sauber auswerten. Feedonomics empfiehlt zwei bis vier Wochen Laufzeit, den Vergleich von CTR, Conversion-Rate und ROAS je Gruppe, die Auswertung in Shopping-Kampagnen statt in PMax und eingefrorene Budgets und ROAS-Ziele während des Tests. Den Unterschied zwischen den Kampagnentypen beschreibt Performance Max oder Standard Shopping.
  5. Gewinner übernehmen, Override löschen. Ist die neue Titelformel besser, schreibst du sie als Produktnamen in den Shop und entfernst die zusätzliche Datenquelle. Danach gibt es wieder nur eine Quelle.

Zum Auswerten schaue ich zuerst auf Umsatz und Deckungsbeitrag je Gruppe, nicht nur auf die CTR. Ein Titel, der mehr Klicks auf billige Artikel zieht, kann die CTR heben und den Ertrag senken. Weil Smart Bidding und Budget zwischen den Hälften wandern, ist das Ergebnis ein Richtwert, kein sauberes Experiment.

Wann der dauerhafte Override doch richtig ist

Es gibt Fälle, in denen ich vom Grundsatz abweiche:

  • Der Shop lässt keine guten Namen zu, etwa weil das ERP den Produktnamen fest vorgibt und eine Änderung Wochen in der IT braucht. Dann ist der Override die realistische Lösung, aber mit einer festen Regel statt Einzelpflege, damit neue Produkte automatisch mitlaufen. Ob dafür das Shop-Plugin reicht, klärt Shop-Plugin oder Feed-Tool.
  • Marktplatz- oder Herstellerdaten liefern Titel, die du nicht ändern darfst.
  • Die Produktseite braucht bewusst einen kurzen Namen, etwa im Premium-Design, während der Feed die Merkmale ausschreibt. Das ist innerhalb von Googles Rahmen, solange beide erkennbar dasselbe Produkt meinen.

In allen drei Fällen gilt: Die Abweichung ist eine Entscheidung, keine Altlast. Dokumentiere, warum es den Override gibt, und prüfe ihn bei jeder Sortimentsänderung mit.

Der Prüfschritt für deinen Feed

Bevor du irgendetwas umschreibst, lohnt ein Abgleich: Exportiere title aus dem Merchant Center und den Produktnamen aus dem Shop und vergleiche beide je Artikelnummer. Drei Ergebnisse sind möglich. Beide gleich und gut: nichts tun. Beide gleich und schwach: im Shop verbessern, nach Test. Feed weicht ab: Herkunft des Overrides klären und entscheiden, ob er Test, bewusste Ausnahme oder Altlast ist. Mehr zum Feed als Ganzes steht in Der Feed ist Googles Modell deines Sortiments, zum Umschreiben mit KI in Produktdaten mit KI verbessern.

Stand: Merchant-Center-Regeln für Titel, KI-Kennzeichnung und automatische Aktualisierungen ändern sich gelegentlich. Die Grenzwerte oben entsprechen der Google-Hilfe beim Erscheinen dieses Artikels.

Anschlussfragen

Darf ich Titel mit KI umschreiben lassen?

Ja, aber laut Google gehören mit generativer KI erstellte Titel in das Attribut structured_title mit der Kennzeichnung trained_algorithmic_media. Sind title und structured_title beide gesetzt, verwendet Google nur title. Übernimmst du einen KI-Titel als Produktnamen in den Shop, geht er im Feed trotzdem als structured_title raus. Falsche Merkmale verantwortest du.

Soll ich den Shopnamen oder Sale-Hinweise in den Titel schreiben?

Nein. Preis, Angebotszeitraum, Versand, Liefertermin, Unternehmensname und Werbetext sind laut Google im Titel nicht erlaubt, ebenso Großschreibung zur Hervorhebung. Rabatte gehören in sale_price, Versand in die Versandeinstellungen.

Quellen

  1. Titel [title], Google Merchant Center-Hilfe
  2. Automatische Artikelaktualisierungen, Google Merchant Center-Hilfe
  3. Zusätzliche Datenquellen, Google Merchant Center-Hilfe
  4. Strukturierte Daten für Händlereinträge, Google Search Central
  5. A/B testing, Feedonomics
  6. Google Shopping Optimierung, Lengow
Stefan Riemeyer

Stefan RiemeyerSelbstständiger Google Ads Freelancer für E-Commerce im DACH-Raum. Ich arbeite selbst an jedem Konto, das ich betreue. So arbeite ich an Shopping und Performance Max.

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