Stefan RiemeyerGoogle Ads Freelancer

Das Neukundenziel in Google Ads: Einstellungen und Rechnung

Wie du den Neukundenwert aus Deckungsbeitrag und Wiederkauf herleitest, den passenden Modus wählst und das Ergebnis gegen Shopdaten prüfst.

Stefan Riemeyer/Stand 3.11.2026/6 Min. Lesezeit

Zusatzwert je Neukunde, in Euro Bestellwert als Zusatzwert 80 Hergeleitet aus dem Deckungsbeitrag 35 10,40 € ÷ 30 % Rechenbeispiel mit erfundenen Zahlen

Der Neukundenwert ist umgerechneter künftiger Deckungsbeitrag

Das Neukundenziel lohnt sich nur, wenn der Zusatzwert je Neukunde eine Rechnung ist und kein Gefühl. Google addiert diesen Wert laut Google-Hilfe zur Kauf-Conversion, sobald der Käufer als Neukunde gilt, und Smart Bidding bietet danach. Ein zu hoher Wert kauft Neukunden, die mehr kosten, als sie je zurückbringen. Ein zu niedriger Wert ändert nichts.

Googles Startempfehlung lautet, den Wert doppelt so hoch anzusetzen wie für reguläre Kunden. Der im Konto vorgeschlagene Betrag beruht auf dem durchschnittlichen Bestellwert bisheriger Kampagnen. Marge und Wiederkaufrate kommen darin nicht vor. Beides zusammen gehört aber in die Herleitung.

Weil der Ziel-ROAS in Umsatz rechnet, muss auch der Zusatzwert in Umsatz stehen. Den künftigen Deckungsbeitrag eines Neukunden rechnest du deshalb über deine Deckungsbeitragsquote in einen Umsatz-Gegenwert um:

Neukundenwert = erwarteter Deckungsbeitrag aus Folgekäufen im gewählten Zeitraum, abzüglich Bindungskosten ÷ Deckungsbeitragsquote

Die Deckungsbeitragsquote ist dieselbe, aus der du deinen Ziel-ROAS hergeleitet hast. Nur dann bleiben Ziel und Zusatzwert in derselben Einheit, und die Break-even-Rechnung stimmt weiter.

Rechenbeispiel: 35 Euro statt des Bestellwerts

Angenommen, ein Shop hat einen Nettowarenkorb von 80 € und eine Deckungsbeitragsquote von 30 Prozent nach Retouren und vor Werbung. Aus der Shophistorie weiß er, dass Neukunden innerhalb von 24 Monaten im Schnitt 0,6 weitere Bestellungen aufgeben.

Schritt Rechnung Ergebnis
Folgeumsatz je Neukunde 0,6 × 80 € 48 €
Deckungsbeitrag daraus 48 € × 30 % 14,40 €
Bindungskosten (Gutscheine, Mails, Remarketing) angenommen − 4,00 €
Künftiger Deckungsbeitrag 10,40 €
Neukundenwert in Umsatz 10,40 € ÷ 0,30 rund 35 €

Wer einfach den Bestellwert von 80 € einträgt, setzt mehr als das Doppelte an. Dann würde Smart Bidding Neukunden so bewerten, als brächten sie 24 € künftigen Deckungsbeitrag. Im Beispiel sind es 10,40 €.

Drei Stellschrauben verschieben die Rechnung. Der Zeitraum: Ich würde ihn so wählen, wie lange du auf das Geld warten kannst, nicht nach dem theoretischen Kundenleben. Folgekäufe, die wieder über bezahlte Klicks kommen, tragen nur ihren Deckungsbeitrag nach diesen Werbekosten bei. Und ist die Marge der Wiederkäufe eine andere als beim Erstkauf, etwa wegen Treuerabatten, rechnest du mit der Quote der Wiederkäufe.

Wie viel ein Neukunde insgesamt kosten darf, ist eine eigene Frage, sie steht in Wie viel ein Neukunde kosten darf. Hier geht es nur um den Wert, den du Google übergibst.

Neukundenwert, nur Neukunden oder hohes Umsatzpotenzial?

Die Modi unterscheiden sich darin, was mit Bestandskunden passiert. Laut Google priorisiert der Modus Neukundenwert Gebote für Neukunden, spricht aber weiterhin wiederkehrende Kunden an. Google empfiehlt ihn allen Werbetreibenden mit Kauf-Conversions.

Modus Was passiert Wann er passt
Neukundenwert Zusatzwert auf Neukundenkäufe, Bestandskunden bleiben im Gebot Standardfall im Shop mit Kauf-Conversions
Nur Neukunden Gebote nur auf Neukunden Festes Akquisitionsbudget, separate Kampagne für Bestandskunden vorhanden
Neukunden mit hohem Umsatzpotenzial Zusatzwert für Neukunden, die Bestandskunden mit hohem Wert ähneln Nur mit hochgeladener Kundenabgleich-Liste

„Nur Neukunden“ empfiehlt Google nur bei strikten Akquisitionsbudgets oder Zielen ohne Kauf, und dann mit einer separaten Kampagne für Bestandskunden. Ganz dicht ist er nicht: Laut Google werden solche Anzeigen in bestimmten Fällen aus Datenschutz- und technischen Gründen auch wiederkehrenden Kunden gezeigt.

Ich halte den Neukundenwert im Shop meist für die bessere Wahl. Er lässt den Algorithmus abwägen, ob ein Bestandskunde mit großem Warenkorb mehr bringt als ein Neukunde mit kleinem. „Nur Neukunden“ verschiebt Umsatz von Bestandskunden in andere Kampagnen oder verliert ihn, und das siehst du in der Kampagne selbst nicht.

Prüfe, ob Google dieselben Neukunden meint wie dein Shop

Der beste Zusatzwert hilft nichts, wenn er auf die falschen Käufer fällt. Google kennt drei Quellen für die Unterscheidung, und sie liefern unterschiedlich gute Ergebnisse.

Die automatische Erkennung baut laut Google-Hilfe eine Liste aus Kampagnenaktivität und erfassten Käufen der letzten 540 Tage. Sie erfasst weniger Nutzer, weil Cookies gelöscht oder die Funktion deaktiviert werden kann. Jeder nicht erkannte Bestandskunde wird zum Neukunden und bekommt den Zusatzwert.

Eine hochgeladene Kundenliste verbessert das, braucht aber eine saubere Rechtsgrundlage, siehe Kundenlisten bei Google hochladen. Am genauesten ist der Parameter new_customer im Conversion-Tag. Damit meldet der Shop selbst, ob ein Neukunde kauft. Das 540-Tage-Fenster ist laut Google empfohlen, aber nicht vorgeschrieben. Gastbestellungen ohne klare Zuordnung bleiben unbestimmt.

Mein Prüfschritt vor dem Einschalten: Nimm einen Monat und vergleiche den Neukundenanteil der Google-Käufe mit dem Neukundenanteil im Shopsystem für dieselben Bestellungen. Liegt Google deutlich höher, zahlst du Zusatzwert für Bestandskunden. Dann erst den Tag-Parameter oder die Liste einrichten, danach den Wert setzen. Mehr zu den Schwächen der Erkennung steht in Neukunde oder Neukunden-Etikett.

Achte auch auf die Zählung. Steht die Kauf-Conversion auf „Jede“, stuft Google Wiederholungskäufe eines Neukunden innerhalb des Conversion-Zeitraums in den Akquisitionsberichten als neue Käufe ein. Die Zahl der Neukundenkäufe ist dann höher als die Zahl der Neukunden.

Wie bewertest du das Ergebnis, ohne dich selbst zu täuschen?

Der ROAS in Google steigt mit dem Neukundenziel automatisch, auch wenn kein einziger zusätzlicher Neukunde kommt. Der Zusatzwert landet in der normalen Spalte Conversion-Wert. Optmyzr weist darauf hin, dass er pauschal und unabhängig vom Bestellwert addiert wird und deshalb schon ein kleiner Betrag den ausgewiesenen ROAS deutlich hebt. Das Ziel misst sich in Google also selbst schön.

Für die Bewertung brauchst du Zahlen, die den Zusatzwert nicht enthalten:

  • Ursprünglicher Conv.-Wert: Die Spalte zeigt laut Google den Wert vor Wertanpassungen. Daraus rechnest du den echten Umsatz-ROAS.
  • Neukunden laut Shop: absolute Zahl und Anteil, mit derselben Definition, die du Google per Tag oder Liste gibst.
  • Kosten je echtem Neukunden: Werbekosten geteilt durch Neukunden laut Shop, verglichen mit dem Betrag, den ein Neukunde kosten darf.
  • Deckungsbeitrag nach Werbung: aus dem ursprünglichen Wert. Er darf sinken, aber höchstens um den künftigen Deckungsbeitrag der zusätzlichen Neukunden.

Ein steigender Neukundenanteil allein beweist wenig. Er steigt auch, wenn Bestandskunden wegfallen und die Zahl der Neukunden gleich bleibt. Ich würde deshalb immer auf die absolute Zahl schauen.

Google empfiehlt einen Vorher-Nachher-Vergleich des Neukundenanteils in den eigenen Analysetools und unterstützt für diese Einstellungen keine Inkrementalitätstests. Als Ausweg nennt Google Conversion Lift nach Geografie oder Nutzern. Für Shops ohne Zugang dazu ist ein eigener Geo-Test die belastbarere Variante als der Vorher-Nachher-Vergleich, weil Saison und Aktionen den Vergleich sonst verzerren.

Was sich beim Ziel-ROAS ändert

Beim Neukundenwert misst der Ziel-ROAS danach Umsatz plus Zusatzwert. Ist der Wert wie oben aus der Deckungsbeitragsquote hergeleitet, bleibt das bisherige Ziel richtig, weil beide in derselben Einheit stehen. Wer stattdessen den ROAS-Anstieg sieht und das Ziel nachzieht, hebt den Zusatzwert wieder auf.

Bei „Nur Neukunden“ ist es anders. Mable beschreibt, dass der alte Ziel-ROAS dann einen Neukunden-ROAS misst, der schwerer erreichbar ist. Das Ziel muss neu gesetzt werden, sinnvollerweise aus dem Erstkauf-Deckungsbeitrag plus dem Neukundenwert.

Wann sich das Neukundenziel nicht lohnt

Die Rechnung trägt nicht, wenn kaum Folgekäufe kommen, etwa bei langlebigen Einzelanschaffungen. Dann ist der künftige Deckungsbeitrag nahe null und der richtige Neukundenwert auch. Sie trägt ebenso wenig, wenn die Erkennung so ungenau ist, dass ein großer Teil der Bestandskunden als neu durchgeht, und du weder Tag-Parameter noch Kundenliste einrichten kannst. In beiden Fällen würde ich die Einstellung auslassen und den Wert lieber in einen sauber hergeleiteten Ziel-ROAS stecken.

Stand der Einstellungen: November 2026. Die Modi und Spaltennamen ändert Google regelmäßig, die Herleitung des Werts bleibt gleich.

Anschlussfragen

Kann ich das Neukundenziel ohne Kundenliste nutzen?

Ja, Google erkennt Neukunden dann automatisch aus Kampagnenaktivität und Käufen der letzten 540 Tage. Diese Erkennung erfasst laut Google weniger Nutzer, weil Cookies gelöscht oder Funktionen deaktiviert werden. Bestandskunden werden dadurch als Neukunden gezählt und bekommen den Zusatzwert.

Muss ich nach dem Einschalten den Ziel-ROAS ändern?

Beim Neukundenwert misst der Ziel-ROAS danach Umsatz plus Zusatzwert. Wenn der Zusatzwert sauber hergeleitet ist, bleibt das bisherige Ziel richtig. Bei „Nur Neukunden“ misst der ROAS nur noch Neukundenkäufe und muss neu gesetzt werden.

Quellen

  1. Informationen zum Zielvorhaben „Kundengewinnung“, Google Ads-Hilfe
  2. Zielvorhaben für den Kundenlebenszyklus: Neukundenwert, Google Ads-Hilfe
  3. Zielgruppen für Kundenlebenszyklus-Zielvorhaben, Google Ads-Hilfe
  4. Neukundendaten mit dem Conversion-Tag senden, Google Ads-Hilfe
  5. Berichte und Fehlerbehebung für Kundenlebenszyklus-Zielvorhaben, Google Ads-Hilfe
  6. Neukundenoptimierung in Google Ads, Mable
  7. New Customer Acquisition in Google Ads, Optmyzr
Stefan Riemeyer

Stefan RiemeyerSelbstständiger Google Ads Freelancer für E-Commerce im DACH-Raum. Ich arbeite selbst an jedem Konto, das ich betreue. So steuere ich Konten nach Deckungsbeitrag.

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