Stefan RiemeyerGoogle Ads FreelancerWissen

Anzeigen in AI Overviews und AI Mode: was ein Shop steuern kann

Stefan RiemeyerStand 1.11.2026

Heute Vergleichsbasis Gruppen festlegen, Marge notieren Nach dem Start Leicht zu übersehen Alles im selben ROAS Start in DACH: Termin offen Stand heute: kein Schalter, kein eigener Bericht

Für einen DACH-Shop ist das heute eine Messfrage, keine Buchungsfrage

Du kannst diese Platzierungen nicht kaufen, und in DACH gibt es sie bisher nur zum Teil. Die Frage, wie dein Shop in die KI-Antwort kommt, führt deshalb in die Irre. Meine These: Relevant ist, ob du den Start überhaupt bemerkst, wenn er kommt. Nach heutigem Stand bringt er keinen Schalter und keinen eigenen Bericht mit, das neue Inventar landet im selben ROAS-Durchschnitt. Wie stark er dich trifft, hängt am Match-Type-Mix, denn Exact und Phrase greifen nur bei direkter Kaufabsicht. Die Berichtsdaten von vorher bleiben laut Google 37 Monate tagesgenau abrufbar. Fehlen werden dir festgelegte Vergleichsgruppen, ein Startdatum und dein damaliger Deckungsbeitrag.

Oft werden drei Dinge zusammengeworfen: Anzeigen neben AI Overviews, Anzeigen in AI Overviews und Anzeigen im AI Mode. Dazu kommt ein zweiter Fehler: Dass der AI Mode in einem Land verfügbar ist, heißt nicht, dass dort Anzeigen darin laufen.

Was läuft wo: USA und DACH getrennt

Platzierung USA Deutschland, Österreich, Schweiz
Anzeige oberhalb oder unterhalb von AI Overviews ja ja
Anzeige in AI Overviews ja, auf Englisch nicht auf Googles Liste
Anzeige im AI Mode ja, auf Englisch nicht auf Googles Liste, obwohl der AI Mode selbst verfügbar ist
Anzeige bei Folgefragen im AI Mode Start läuft nicht auf Googles Liste

Stand November 2026, und das ändert sich schnell. Anzeigen neben AI Overviews sind laut Google-Hilfe überall dort möglich, wo es AI Overviews gibt. Das schließt DACH ein, denn dort laufen AI Overviews seit März 2025. Anzeigen in den Antworten laufen in den USA und weiteren Märkten wie Kanada, Australien, Indien und Singapur, nur auf Englisch. Googles Länderliste kann unvollständig sein, kein DACH-Land steht darauf.

Der AI Mode selbst ist auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgerollt, Anzeigen gehören aber nicht dazu. Bei der jüngsten Ausweitung nennt Google als nächste Märkte unter anderem Brasilien, Mexiko und Großbritannien, kein DACH-Land. Einen Termin für DACH nennt Google nicht.

Welche Kampagnen sind berechtigt, und was heißt das für den Mix?

Laut Google sind bestehende Search-, Shopping- und PMax-Kampagnen automatisch berechtigt. Du brauchst weder eine neue Kampagne noch ein eigenes Budget. Interessant ist der Unterschied innerhalb dieser Gruppe: KI-gestützte Ausrichtung, also AI Max, Broad Match, Shopping und PMax, kann kontextuell auf Anfrage und KI-Antwort matchen. Exact und Phrase sind nur bei direkter Kaufabsicht berechtigt, nicht bei explorativen Fragen.

Daraus leite ich eine Einschätzung ab, keine Messung: Wie stark dein Konto beim Start betroffen sein wird, hängt an deinem Match-Type-Mix. Ein Shop, der fast alles über PMax, Shopping und Broad laufen lässt, bekommt ein neues Anfragemuster in dieselben Kampagnen und dieselben Budgets. Ein Shop mit einem großen Exact-Anteil in Search spürt in diesem Teil weniger, sein Shopping läuft trotzdem mit. Einen vollständigen Schutz bietet Exact also nicht, weil Anfragen mit Kaufabsicht weiter berechtigt sind.

Was du steuern kannst und was nicht

Nicht steuerbar sind laut Google drei Dinge. Du kannst AI Overviews und AI Mode weder gezielt buchen noch getrennt von der Suche ausschließen. Du siehst keinen eigenen Bericht für diese Platzierungen. Und die KI-Erklärtexte neben deinen Anzeigen erzeugt Gemini, auch aus öffentlichen Quellen wie deiner Website: Du kannst sie weder schreiben, noch bearbeiten, freigeben oder abschalten.

Steuerbar bleiben die vorhandenen Hebel:

  • Ausrichtung: Welcher Anteil des Budgets über KI-gestützte Ausrichtung läuft, entscheidest du. AI Max und Broad bewertest du heute nach ihrer heutigen Leistung, nicht nach einem künftigen Inventar.
  • Ausschlüsse: Negative Keywords und Marken-Ausschlüsse greifen laut Google weiter. Sauber gepflegte Listen sind vor dem Start weniger Arbeit als danach.
  • Budget und Ziel: Gebote und Budget laufen über dieselbe Auktion ohne Aufpreis. Dein Ziel-ROAS gilt im Durchschnitt, schwaches Inventar kann darunter mitlaufen.
  • Deine Website: Weil die Erklärtexte auch aus öffentlichen Quellen entstehen, rate ich, Versand, Rückgabe, Preise und Produktangaben auf der Seite widerspruchsfrei zu halten. Wie stark das wirkt, ist nicht belegt, es kostet aber wenig und hilft dem Shop ohnehin.

Warum der Start im ROAS kaum auffallen würde

Ein Rechenbeispiel mit erfundenen, runden Zahlen. Angenommen, ein Shop gibt 20.000 Euro im Monat aus, macht 100.000 Euro Umsatz, ROAS 5,0, bei 40 Prozent Deckungsbeitrag vor Werbekosten. Sein Break-even-ROAS liegt damit bei 2,5. Nach einem Start wandern 2.000 Euro in explorative Anfragen, die nur ROAS 2,0 bringen.

Vorher Nachher
Werbekosten 20.000 € 20.000 €
Umsatz 100.000 € 94.000 €
ROAS 5,0 4,7
Deckungsbeitrag nach Werbekosten 20.000 € 17.600 €
Im Bericht: ROAS 4,7 statt 5,0 Rechenbeispiel 18.000 € ROAS 5,0 Break-even ROAS 2,5 2.000 € ROAS 2,0 Deckungsbeitrag: 17.600 € statt 20.000 €
Breite der Fläche: Werbekosten. Höhe: ROAS. Der kleine Teil unter dem Break-even verschwindet im Durchschnitt. Erfundene, runde Zahlen.

Im Bericht sinkt der ROAS um 0,3, das geht leicht als Monatsschwankung durch. Der Deckungsbeitrag fällt um 12 Prozent. In den Kampagnenberichten sind die Werte laut Google nur aggregiert enthalten, das gilt auch für den Suchbegriffsbericht: Du erkennst also nicht, welcher Klick aus einer KI-Antwort kam.

Das Beispiel gilt nur unter seiner Annahme. Bringt das neue Inventar vor allem Neukunden, deren Folgekäufe den niedrigen ROAS tragen, wäre derselbe Rückgang eine gute Nachricht. Genau diese Unterscheidung braucht eine Vergleichsbasis.

Welche Basis du jetzt festlegen solltest

Die Berichtsdaten kannst du später noch abrufen, die Gruppen solltest du vorher festlegen: je Land Exact und Phrase auf der einen Seite, Broad, AI Max, PMax und Shopping auf der anderen. Neben AI Overviews laufen deine Anzeigen in DACH schon, das steckt also bereits im Vorher-Wert.

  1. Anteil langer Suchbegriffe: Kosten und Umsatz von Suchbegriffen ab fünf Wörtern und von Fragen. Die Grenze ist meine Arbeitsdefinition, keine Google-Vorgabe. Der Suchbegriffsbericht liefert das, soweit er die Begriffe zeigt. Nach dem Start ist das nur ein grobes Signal, CPC und Deckungsbeitrag tragen mehr.
  2. CPC je Gruppe und Land.
  3. Deckungsbeitrag nach Werbekosten je Gruppe, nicht nur der ROAS.
  4. Neukundenanteil je Gruppe, soweit dein Tracking ihn hergibt.

Notiere heute, was später schwer zu rekonstruieren ist: Marge, Neukundenanteil aus dem Shop-System, Conversion-Setup und Kampagnenstruktur. Kommt die Nachricht vom Start für dein Land, setzt du das Datum und vergleichst Vorher und Nachher, am besten gegen denselben Zeitraum im Vorjahr, weil sonst die Saison mitrechnet. Laufen die beiden Gruppen auseinander, ist das ein Hinweis auf das neue Inventar, aber kein Beweis, denn auch Exact und Phrase können dort erscheinen. Startet ein DACH-Land vor den anderen, taugt der Rest als grober Vergleich. Wer einen echten Beleg für den Zusatzumsatz will, braucht einen Inkrementalitätstest.

Für kleine Konten taugen Monatswerte je Gruppe und Land oft nicht, zu wenig Conversions. Dann lieber Quartale und nur ein Land.

Wann du das anders einordnen solltest

Verkaufst du schon in die USA, kannst du die Wirkung früher an englischem Traffic beobachten. Übertragbar ist das nur begrenzt, Sprache, Sortiment und Wettbewerb unterscheiden sich. Dasselbe gilt für US-Studien. Eine von Aleyda Solis ausgewertete Similarweb-Analyse sieht etwa bei Kopfhörern den Paid-Klickanteil im Jahresvergleich von 16 auf 36 Prozent steigen. Das zeigt eine Verschiebung in wenigen US-Kategorien. Einen Effekt von Anzeigen in KI-Antworten belegt es nicht, und über DACH sagt es nichts.

Läuft dein Konto fast nur über Marken- und Exact-Begriffe, ist der Aufwand vermutlich größer als der Erkenntnisgewinn. Eine unabhängige Messung, ob Anzeigen in KI-Antworten für Händler zusätzlichen Gewinn bringen, habe ich nicht gefunden. Ich würde dafür heute kein Budget umschichten und auch keine Kampagne umbauen. Gruppen und Margenstand festzuhalten kostet wenig, und ohne sie geht der Start im Durchschnitt unter.

Anschlussfragen

Kostet eine Anzeige in AI Overviews oder im AI Mode mehr?

Laut Google nein. Es gelten dieselbe Auktion und dieselben Gebotsmodelle wie bei normalen Suchanzeigen, einen Aufpreis gibt es nicht. Ob der Klick wirtschaftlich ist, bleibt damit eine Frage deines Deckungsbeitrags, nicht des Formats.

Soll ich jetzt AI Max einschalten, um beim Start dabei zu sein?

Ich würde das nicht aus diesem Grund tun. In DACH gibt es dieses Inventar laut Googles Liste noch nicht, und bestehende Kampagnen sind ohnehin berechtigt. AI Max muss sich an dem messen, was es heute auf der normalen Suche leistet.

Quellen

  1. About ads in AI-powered experiences in Google Search, Google Ads-Hilfe
  2. Ads in AI Mode expand to 10 new countries, Google Ads & Commerce Blog
  3. AI Overviews Europe: 9 New Countries, 4 New Languages, Google Blog
  4. Here's what Google's new AI Mode means for marketers, Think with Google
  5. Study: Google AI Overview Clicks Shifting To Shopping Search Ads, Search Engine Roundtable
  6. Google Ads Data Retention Policy, Google Ads-Hilfe
Stefan Riemeyer

Stefan Riemeyer betreut als selbstständiger Google-Ads-Experte E-Commerce-Konten im DACH-Raum und arbeitet selbst am Konto. Zum kostenlosen Audit

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